Der kleine Nick saß auf der Fensterbank seines Kinderzimmers und beobachtete die Sterne, als sein Vater ins Zimmer kam. „Es ist Zeit zum Schlafen“, sagte der Vater und lächelt seinen Sohn an. Nick sah erst seinen Vater an und wand sich dann wieder dem Fenster zu. „Was sind Sterne, Papa“, fragte der kleine Nick seinen Vater. Der Vater trat hinter seinen Sohn ans Fenster und schaute hinauf zu der unendlichen Anzahl an Sternen. „Komm!“, sagte der Vater und hob seinen Sohn von der Fensterbank, „ich werde dir eine Geschichte erzählen.“ Die beiden setzten sich auf Nicks Bett. Nick schlüpfte unter die Decke und sah seinen Vater erwartungsvoll an und der Vater begann seine Geschichte:
“Vor langer langer Zeit war der Himmel ganz Dunkel. Es war kein Stern am Himmel zu sehen. Es war einfach nur ein schwarzes Zelt, dass sich über die Erde spannte. Dunkel und düster. Die Menschen fürchteten sich etwas vor diesem dunklen Zelt. Daher haben sie beschlossen, des Nachts die Augen zu schließen und einfach zu schlafen. Und wenn sie morgens erwachten und die Sonne wieder schien, dann war das dunkle Zelt verschwunden und die Menschen mussten sich nicht mehr fürchten.
Eines Morgens wachte ein kleiner Junge auf und erzählte seiner Mutter, was er des Nachts erlebt habe. Die Mutter sah ihren Sohn voller Sorge und Angst an. War ihr Sohn des Nachts erwacht und hat sich auf die Reise gemacht, um all die Abenteuer zu erleben oder hat er sich dies nur ausgedacht? Aber wie kam er darauf? Die Mutter berichtete am Nachmittag die Geschichte ihres Sohnes einigen anderen Müttern aus dem Dorf und mit der Zeit geschah es, dass immer mehr Kinder des Morgens erwachten und lebhafte Geschichten zu erzählen hatten, welche sie in der Nacht erlebten. Die Geschichten nahmen zu, es waren abenteuerreiche, heldenhafte, aber auch erschreckende und unheimliche Geschichten dabei. Die Kinder berichteten immer lebhafter von ihren Erlebnissen. Manche kamen plötzlich auch mitten am Tag und erzählten den Erwachsenen was sie erlebt haben. Die Erwachsenen waren sehr besorgt, doch sie konnten nichts dagegen tun. Sie hatten keine Erklärung. Sie stellten Wachen für die Nacht auf, diese sollten die schlafenden Kinder bewachen. Man wollte somit verhindern, dass die Kinder auf ihre Abenteuerreisen gingen. Doch noch immer wachten die Kinder morgens auf und hatten die schönsten Erlebnisse zu berichten. Die Erwachsenen fanden einfach keine Erklärung. Die Kinder schliefen des Nachts tief und fest in ihren Schlafstätten. Kein Kind bewegte sich von seinem Platz, kein Kind entfernte sich aus dem Dorf und dennoch wachten sie des Morgens auf und erzählten von ihren Erlebnissen. Viele Jahre zogen ins Land, doch die Erwachsenen hörten nicht auf, die Kinder beim Schlafen zu bewachen. Eines Nachts machten die Nachtwachen die Beobachtung, dass die Nacht gar nicht mehr so finster war, wie man es von früher noch kannte. Es schien sogar von Nacht zu Nacht ein kleines bisschen heller zu werden. So begannen die Menschen neben den schlafenden Kindern auch den Himmel zu beobachten. In jeder Nacht sah man kleine Lichter am Himmel und die Lichter nahmen mit der Zeit zu. Es wurden immer mehr, bis letztlich der ganze Himmel bedeckt war. Die Kinder, die nun zu jungen Erwachsenen herangewachsen waren, begannen auch den Himmel zu beobachten. Gemeinsam lagen sie nachts auf Wiesen und beobachteten die Vielzahl von Lichtern am Himmel. Da sie” Lichter” jedoch unangebracht fanden, für diese wunderbaren leuchtenden Erscheinungen am Himmel, nannten sie die Lichter von nun an Sterne.
Jeden Abend trafen sich die ehemaligen Kinder, um gemeinsam die Sterne zu beobachten. Noch immer erlebten sie während des Schlafs die schönsten und aufregendsten Abenteuer. Auch diese Geschichten teilten sie miteinander und berichteten sich gegenseitig was sie so alles erlebt hatten. Die Erlebnisse des Schlafs nannten sie Traum. Manche fingen auch am Tage an zu träumen. Sie lagen im Gras oder im Sand, schlossen die Augen und ließen in ihrer Phantasie die schönsten Geschichten entstehen. Für sie waren die Träume so real, dass sie zum Leben gehörten wie das Atmen und das Nahrung suchen. Nie wurde einer der Träume angezweifelt oder für unrealistisch erklärt. Alle Träume wurden akzeptiert. Manchmal bewunderte man einen anderen für einen Traum und die Träume waren so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Das Träumen wurde zu einem wichtigen Bestandteil des Lebens, denn die Menschen erkannten sehr schnell, ganz gleich was sie auch besaßen, alles konnte ihnen genommen werden, doch ihre Träume, die gehörte jedem alleine. Diese konnte ihnen niemand nehmen. Träume sind das höchste Gut, was ein Mensch besitzen kann und das Schönste daran ist, dass man es für immer behalten kann.
Es geschah, dass die jungen Erwachsenen im Himmel anfingen Bilder zu malen. Sie lagen beisammen und sahen ihre, im Schlaf erlebten Erlebnisse, in den Sternen wieder. Ob Stier oder Löwe, Adler oder Bär, die schönsten Bilder erkannten sie in den Sternen. Sie malten mit den Sternen Bilder und erschufen so die Sternenbilder. Und schon bald machten sie die schönste Entdeckung, nämlich, dass jeder Stern ein Traum der Menschen war, der des Nachts oder am Tage in den Himmel geschickt wurde. Denn auch am Tage leuchteten die Sterne. Jeder Stern war ein Traum und daher war es auch möglich mit den Sternen Bilder zu formen.
Diese Weisheit wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Viele Eltern verbrachten Abende mit ihren Kindern im Freien, um mit ihnen die Stern zu beobachten. Sie erfreuten sich an den vielen Träumen, die sie im Himmel sehen konnten und ließen immer wieder die schönsten Bilder am Himmel entstehen.
Nach vielen vielen Jahren geschah es, dass ein Stern vom Himmel viel. Mit einem langen Lichtschweif sauste er einfach so herunter. Die Menschen erschraken, was hatte das zu bedeuten?
Doch ein paar Tage später kam ein Nachbar von einer Reise zurück und erzählte ihnen was er erlebt hat und dass sein schönster Traum Wirklichkeit wurde. Da erkannten die Menschen, dass dies der Stern war, der ein paar Nächte zuvor vom Himmel gefallen war. Ab und an geschah es und so geschieht es noch heute, dass Sterne vom Himmel fallen. Diese Sterne werden Sternschnuppen genannt und jede Sternschnuppe steht für einen erfüllten Traum. Wenn wir also in den Himmel blicken und eine Sternschnuppe sehen, dann wissen wir, dass irgendwo auf der Welt der Traum eines Menschen wahr wurde und deshalb ist es dann auch ratsam, sich selbst etwas zu wünschen. Denn was kann mehr Glück bringen, als der Moment indem gerade der Traum eines anderen Menschen Wirklichkeit wurde.
Wenn wir heute in den Himmel schauen, dann sehen wir weitaus weniger Sterne als das früher der Fall war. Das liegt daran, dass viele Menschen aufgehört haben zu träumen. Wenn alle Menschen aufhören würden zu Träumen, dann würde der Himmel irgendwann wieder ganz dunkel und düster erscheinen und der Mensch müsste sich wieder fürchten vor der Nacht. Aber so lange es noch Menschen gibt, die Träumen können und an ihre Träume glauben, wird auch die Nacht nicht dunkel werden.“
Der Vater beendet seine Geschichte und sah seinen Sohn an. „Deshalb ist es jetzt Zeit für dich zu schlafen und etwas Schönes zu träumen, dann können wir morgen deinen Traum am Himmel suchen“. Er fuhr seinem Sohn sanft über das Haar und küsste ihn auf die Stirn. „Gute Nacht kleiner Nick, ich bin gespannt, was du heute Nacht erleben wirst“. Der Vater war noch nicht an der Tür, als sein Sohn schon tief und fest eingeschlafen war. Da lächelte der Vater, schloss die Tür und ging noch ein bisschen in den Garten, um die Sterne zu beobachten.