- ohne Titel –

Ich komme mir vor wie eine Bombe. Geschaffen ohne Einfluss darauf zu haben. Ich wurde nicht gefragt. Niemand hat es interessiert was ich will. Ich bin ein Objekt. Auch nach meiner Aufgabe hat mich niemand gefragt. Ich wurde einfach produziert, wie viele andere auch. Jahrelang lag ich unbenutzt im Regal. Niemand hat sich für mich interessiert. Ich gehörte zur Masse. Ich war eine unter vielen. Um mich herum lagen sie. Und ich lag dazwischen.

Dann kam der Krieg und man hat mich aus dem Regal genommen und ohne Rücksicht und ohne mich zu Fragen auf einem Kriegsgebiet abgeworfen. Viele um mich rum sind zersprungen – in Tausende von Einzelteilen. Ihre Aufgabe war es zu Töten und zu Vernichten. Auch ich sollte Töten und Vernichten. Hart bin ich auf dem Boden aufgeschlagen, der Aufprall schmerzte. Ich kann nicht sagen was mehr wehtat, jahrelang in Mitten von anderen und dennoch einsam zu liegen oder abgeworfen zu werden und hart auf dem Boden aufzuschlagen. Ich kann es wirklich nicht sagen. Ich verfehlte meine Aufgabe. Ich bin nicht zersprungen. Ich lag einsam da. Es quälte mich, denn ich hatte nichts zu tun. Die einzige Aufgabe für die ich geschaffen wurde, hatte ich verfehlt.

Eines Tages bin ich dann zersprungen. Einfach so, aus heiterem Himmel könnte man sagen. Doch es war nicht aus heiterem Himmel, es war die Qual die über viele Jahre hinweg in meinem Kern schmorte und zur plötzlichen Explosion führte.

Einzelteile flogen in hohem Bogen weg. Ich war plötzlich nicht mehr. Ich war einfach zersprungen und auch diese Erfahrung war keine Schöne. Sie schmerzte unendlich. Jeder einzelne Fetzen schmerzte, jeder einzelne Fetzen weinte, jeder einzelne Fetzen litt und jedem Fetzen war klar, dass er niemals mehr ein Teil des Ganzen sein wird.

Für immer getrennt. Einsame Teile. Es wurden keine Fragen gestellt, es wurden keine Antworten geliefert. Es wurde einfach nur Leid verursacht. Tränen brennen auf den Wangen, an jedem Fetzen des Körpers schmerzt es. „Weine nicht kleines Kind, irgendwann wird es nicht mehr so wehtun.“ Der Schmerz wurde weniger, aber er ist nie verschwunden, die Wunden sind verheilt, aber es blieben Narben. Die Narben schmerzen – für immer werden die Teile darunter leiden, kein Ganzes mehr zu sein.

Flicken ja!

Heilen nein!

Das wird niemals möglich sein!

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